Die Pflichten und Rechte beider Partner in einer Ehe

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In einer Ehe gibt es zwei wichtige Dinge, die viele  Brautpaare größtenteils zu vergessen scheinen: Einerseits wären da die  Rechte, andererseits die Pflichten. Auch wenn man sich kurz vor der  Hochzeit keine großen Gedanken um Rechtliches machen möchte, sollte man  lieber jetzt daran denken, als später. Dieser Artikel erklärt bald  Heiratende zu ihren Pflichten und Rechten auf.

Alles beginnt mit der Verlobung

Dieser Artikel befasst sich ausführlich mit dem Thema Rechte und Pflichten von  Verlobten und geht dabei sehr passend auf den Film »Runaway Bride« ein.  In diesem Film flüchtet die Braut, gespielt von Julia Roberts, mehrfach  ihre Hochzeit und lässt ihre Bräutigame im Regen stehen. Was in  Hollywood-Filmen einfach ist, hat allerdings wenig mit der Realität zu  tun. Denn eine solche Flucht kann unter Umständen einige Konsequenzen  mit sich ziehen.

Grundsätzlich ist zu erwähnen, dass sich die Bedeutung einer  Verlobung im Laufe der Jahre radikal geändert hat. Nach wie vor ist und  bleibt es ein Versprechen zweier Menschen, ihre Liebe mit dem Ehebündnis  zu vollenden. Während dieses Versprechen heute symbolisch ist, war es  früher mit etwas mehr Aufwand verbunden.

Unter Aufwand ist zu verstehen, dass der Bräutigam um die Hand seiner  Freundin bei ihrer Familie, insbesondere dem Vater, der seinen Segen  geben musste, anhielt.

Diese Prozedur war mit viel Würde und Anerkennung verbunden. Auch  wenn dieses Anhalten um die Hand der Freundin bei den zukünftigen  Schwiegereltern in einigen Kulturen noch üblich ist, bleibt es heute  eher die Ausnahme. Die Verlobung ist weitestgehend ein persönliches  Versprechen der beiden Heiratswilligen.

Obwohl Juristen das Verlöbnis weiterhin als einen Vertrag einsehen,  ist es in der Praxis nicht (mehr) möglich, dessen Nichterfüllung  einzuklagen. Bis vor einigen Jahren  verklagten Frauen noch ihren Verlobten auf Kranzgeld, wenn sie vor der  Ehe ihre Jungfräulichkeit verloren und ihr Partner das Verlöbnis aufhob.  Die Betroffenen urteilten, dass die fehlende Jungfräulichkeit ihre  Chancen auf dem Heiratsmarkt verschlechtere.

Diese Entjungferungsentschädigung wurde 1998 offiziell abgeschafft, nachdem das Amtsgericht Münster es bereits fünf Jahre zuvor verbannte.  Abseits vom Kranzgeld gibt es allerdings noch eine weitere Möglichkeit,  wann auf Schadenersatz geklagt werden kann. Dabei geht es in diesem  Fall nicht um die Jungfräulichkeit der Damen, sondern nach § 1298 Ersatzpflicht bei Rücktritt um Vorbereitungen zum Verlöbnis.

Unter diese Vorbereitungen fällt die Buchung von Bands und  Restaurants zum Beispiel. Sie muss man häufig vorab bezahlen, kommt es  zu einer Auflösung der Verlobung, bleibt der Veranstalter auf den Kosten  sitzen. Der Veranstalter könnten die Eltern des Bräutigams oder der  Braut sein. Die oben genannte Ersatzpflicht tritt nicht ein, wenn es  einen vertretbaren Grund gab, Untreue zum Beispiel, das Verlöbnis  aufzulösen.

Die Pflichten der ehelichen Lebensgemeinschaft

Einen Einstieg in die Pflichten der ehelichen Lebensgemeinschaft bietet der § 1353:

(1) Die Ehe wird auf Lebenszeit geschlossen. Die Ehegatten sind  einander zur ehelichen Lebensgemeinschaft verpflichtet; sie tragen  füreinander Verantwortung.

(2) Ein Ehegatte ist nicht verpflichtet, dem Verlangen des anderen  Ehegatten nach Herstellung der Gemeinschaft Folge zu leisten, wenn sich  das Verlangen als Missbrauch seines Rechts darstellt oder wenn die Ehe  gescheitert ist.

Gemäß der beiden Paragraphen werden unterschiedlichen Pflichten abgeleitet:

  1. Häusliche Gemeinschaft: Die Ehe setzt voraus, dass beide Partner in  einem gemeinsamen Wohnsitz zusammenleben. Ein getrenntes Leben ohne  Gründe setzt eine Scheinehe voraus.
  2. Geschlechtsgemeinschaft: Während man früher der Ansicht war, dass die Geschlechtsgemeinschaft eine Rechtspflicht sei, wird diese Frage heute nicht mehr diskutiert. Wichtiger ist dagegen die Ausschließlichkeit der Geschlechtsgemeinschaft der Ehegatten.
  3. Familienplanung: Das Kinderkriegen war früher der wichtigste  Ehezweck, heute sind beide Seiten nicht dazu zu verpflichten. Allerdings  gibt es heute die Frage, inwieweit Ehegatten den Wunsch nach Kindern  untereinander akzeptieren. Ohne eine Vereinbarung vor der Ehe kann man  urteilen, beide Seiten seien dazu offen. Eine Sterilisation ohne die  Zustimmung des Partners kann gegen diese Vereinbarung verstoßen.
  4. Beistand und Fürsorge: Fürsorge und Beistand sind eine weitere  Ehepflicht, die einem Ehegatten zukommen kann. Dabei kann man sich  sowohl auf den Partner selbst als auch dessen Kinder und Vermögen  beziehen.
  5. Rücksichtnahme: Innerhalb einer Ehe besteht die Pflicht, die Ehre  und Würde des Partners zu wahren und auf ihn Rücksicht zu nehmen.
  6. Achtung des persönlichen Freiraums: Innerhalb einer Ehe muss jeder  einen persönlichen Freiraum besitzen, den der Ehepartner nicht verletzen  darf. Ohne Verdacht ist keine Beobachtung durch Dritte erlaubt.
  7. Verständigungsbereitschaft: Eheleute müssen imstande sein, sich bei  Meinungsverschiedenheiten selbst zu einigen, da laut Gesetz keiner der  beiden Ehegatten Vorrang hat. Ohne Einwilligung des Anderen darf  wiederum kein Ehegatte Entscheidungen selbstständig treffen.
  8. Pflicht zur Mitarbeit: Im Rahmen der Beistandspflicht kann der  Ehegatte dazu verpflichtet sein, zum Beispiel im Betrieb des Ehegatten  zu helfen, wenn es zu einem Personalengpass kommt, der nicht ohne  Weiteres gelöst werden kann. Die Arbeit muss dem Ehegatten zumutbar  sein.

Die Pflichten und Rechte beider Partner in einer Ehe
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